fast täglich fahre ich mit der roslagsbana von täby in die innenstadt. diese blaue bahn mit ihren alten polsterstühlen lässt mich oft an italienurlaube denken, in denen ich mit meiner familie immer mal wieder in den mehr oder weniger großen genuss veralteter zugmodelle gekommen bin. zwanzig minuten dauert die fahrt. manchmal lese ich die kostenlose zeitung, wenn der informationshunger zuschlägt. manchmal löse ich das tagessudoku, um meine grauen zellen wenigstens minimal zu trainieren. manchmal sitze ich aber auch einfach auf meinem platz, schaue aus dem fenster und sehe, wie wald und holzhäuschen sich langsam in hohe gebäude und betonwege verwandeln. dabei fällt mein blick oft auf die plakate in der bahn, die für alles mögliche werben. vor kurzem gesellte sich eine anzeige dazu, die für vitamine und mineralstoffe aus der dose warb. 'wir schweden können manchmal ein bisschen aufmunterung gebrauchen. das ist vielleicht gar nicht so seltsam. schließlich leben wir in einem land, in der die sonne vor allem durch abwesenheit strahlt.' auch wenn ich kein freund dieser plastikpackungen bin, die gesundheit aus pulver versprechen, so stellt sich bei mir doch ganz langsam verständnis für die sonnensehnsucht der schweden ein. beehrt sie den norden mit ihrer anwesenheit, steig die laune und der tatendrang. kommen dann aber die trüben, tristen tage, verfällt man schnell wieder in die winterliche trägheit und lustlosigkeit. in dieser woche war die gute wohl mit anderen aufgaben beschäftigt - hier haben wir sie jedenfalls nicht oft zu gesicht bekommen. dabei wächst das bedürfnis nach warmen tagen und hellen abenden kontinuierlich, dem stubenhockerdasein möchte ich endlich ein ende bereiten. so lange das aber eben nur abschnittsweise möglich ist, suche ich an anderen orten nach sonnenstunden. so zum beispiel beim kinobesuch in stockholms edelviertel, beim hineinschnuppern in die schwedische reichstagspolitik, beim plaudern in einem der unzähligen kuschelcafés. und vielleicht schaffe ich es auch irgendwann, so ein inneres strahlen zu erreichen, dass dann durch die sonne nur noch komplettiert wird.
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