Sonntag, 13. März 2011

von mandelmassa und kaffekonst. oder: ska vi fika?

manchmal denke ich darüber nach, welche eigenschaft oder eigenheit schwedens mir wohl in deutschland am meisten fehlen wird. und wenn ich meinen kalender aufschlage, stelle ich fest, dass es bis zur rückkehr ins sauerkrautland wirklich nicht mehr so lang dauert. vielleicht ist es da eine gute idee, ein bisschen inne zu halten und sich gedanken darüber zu machen, was den blaugelben alltag hier ausmacht und bestimmt, belebt und erheitert. ich bin von herzen dankbar für all die besonderheiten und einmaligkeiten, die ich in meinen monaten hier schon erleben durfte. und dennoch sind es mehr die immer wieder kehrenden tätigkeiten und begegnungen, die mir ans herz gewachsen sind und von denen mir der abschied schwer fallen wird. dazu gehört unter anderem eine gewohnheit, die kommunikation, genuss und entspannung gleichermaßen fordert und fördert: fika.
'fika bedeutet im grunde eine kaffeepause machen, geht aber noch viel weiter. das wort soll von kaffi stammen, so hieß kaffee in der altschwedischen umgangssprache, die reihenfolge der silben wurde umgekehrt. fika machen bedeutet, alte freunde treffen, neue bekanntschaften schließen, tratschen und dem alltagstrott entfliehen.' (rob hincks)
dieses kurze pausieren und plauschen ist dem sparen natürlich nicht unbedingt zuträglich. auf der anderen seite ermöglicht fika ein bisschen mehr innere ruhe, ein bisschen mehr gegenseitiges interesse. selbst in geschäften und kaufhäusern lassen sich kleine cafénischen mit großen kissen und großer auswahl ausfindig machen. die schweden leben eben lieber nach dem motto 'ta det lungt', als ständig das höhere, schnellere, weitere anzustreben. und trotz aller päuschenlieben werde ich langsam ein wenig hibbelig und kribbelig, möchte so gern planen und organisieren und wissen und durchführen. passend dazu hat am mittwoch die fastenzeit begonnen, mit pompösen semlaabschied am dienstag und eisernem fikaverzicht seit dem wochenbergfest. und jetzt bin ich gespannt auf das kommende, ob wollen und können in guter balance zueinander finden, ob vorhaben und träume verwirklicht werden können. und am ende komme ich eben doch wieder zur schwedischen einstellung zurück: 'ta det lugnt.'

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